So dämlich ist es, einfache Lösungen zu fordern

Politik ist oft sehr komplex – dennoch werden einfache Lösungen verlangt. Ein Vergleich mit anderen Berufsfeldern zeigt, dass man diese Forderung nicht ernst nehmen kann.

Von Dominik Brück

Es gibt zwei Dinge im Leben, bei denen einfach jeder mitreden kann: Fußball und Politik. Dabei werden besonders bei Letzterem an den Stammtischen der Republik schnelle und einfache Lösungen für Probleme gefunden, die in der Realität deutlich komplexer sind als die Meisten es annehmen. Politiker stehen daher regelmäßig in den Augen ihrer Wähler schlecht da, weil sie komplexe Probleme eben nicht wie gefordert schnell und einfach lösen können. Statt sich dieser Tatsache ehrlich zu stellen, verstellen sich Politiker aber auch immer wieder und versprechen, was die Wähler hören wollen – obwohl sie genau wissen, dass sie ihre Versprechen nie halten können. Würde man das Verhalten beider Seiten auf andere Berufsgruppen übertragen, käme man sicher schnell zu dem Schluss, dass beide Seiten damit aufhören sollten. Schauen wir uns also mal an, wie das klingen könnte:

Der Arzt

„Natürlich kann ich ihr chronisches Herzleiden noch heute kurieren. Sie müssen dafür weder mehr Sport machen, noch ihre Ernährung ändern. Ich werde Ihnen einfach das Herz herausschneiden und dann haben sie damit keine Probleme mehr.“

Der Handwerker

„Nein, Sie müssen mich für den Einbau Ihrer Küchenzeile nicht bezahlen. Ich habe auch gleich noch die Dusche repariert und im Wohnzimmer Staub gesaugt. Und weil ich gerade zu viel Geld übrig habe, schenke ich Ihnen auch gleich noch eine Waschmaschine dazu.“

Der Priester

„Sich an die Zehn Gebote halten? Warum sollten Sie das denn tun? Die Regeln der Kirche existieren doch nur, damit man sich nicht an sie halten muss. Wir haben uns übrigens auch gar keine Gedanken darüber gemacht, was gut und was böse sein könnte. Stattdessen haben wir einfach gelost. Die ganze Kirche besteht daher eigentlich nur, damit Menschen wie ich etwas zu tun haben.“

Der Feuerwehrmann

„Es ist kein Problem, dass Ihr Haus komplett in Flammen steht, weil Sie unter der Bettdecke geraucht haben. Wir spritzen es einfach ein bisschen mit Wasser ab und dann sieht man gar nicht, dass es bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist. Ihr Nachbar hat gestern auf Ihrem Parkplatz geparkt? Warten Sie kurz, während wir löschen, zünden wir kurz das Nachbarhaus für Sie an.“

Die Lehrerin

„Es macht mir wirklich nichts aus, die anderen Kinder aus der Klasse zu werfen, damit ich mich ganz um Ihren Sohn kümmern kann. Es gibt natürlich Leute, die sagen, dass wir jedem Kind eine Ausbildung zukommen lassen sollten, aber bei Ihrem Sohn machen wir gerne eine Ausnahme und konzentrieren uns nur auf ihn. Schließlich können wir Ihnen ja nicht widersprechen, wir werden ja von Ihren Steuern bezahlt.“

Ein Kommentar

  • Humorvoll aber real – leider.

    Gut geschrieben. Mir gefällt deine Art kompliziertere Dinge verständlich zu erklären.

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