Wie die G20-Krawalle die Bundestagswahl entscheiden werden

Die Bilder von den Krawallen auf dem G20-Gipfel in Hamburg sind um die Welt gegangen. Besonders in Deutschland werden sie das Rennen ums Kanzleramt entscheiden.

Es sind Bilder wie aus einem Kriegsgebiet: Während des G20-Wochenendes in Hamburg wurde die Stadt an der Elbe von schweren Krawallen regelrecht verwüstet. Von den Medien wurde die „Schlacht um die Schanze“ rund um die Uhr begleitet. Bei aller Verachtung der Gewalt, die in Hamburg zu Tage getreten ist, die Aufnahmen von vermummten Straftätern sind das Beste, was dem Wahlkampf von Bundeskanzlerin Angela Merkel passieren konnte. Das Ausmaß der Zerstörung in Hamburg, die Bilder von brennenden Barrikaden und geplünderten Geschäften, haben schon während des Gipfels dafür gesorgt, dass die Stimmung unter der Bevölkerung gekippt ist. Standen vor dem Wochenende noch der Protest gegen das Treffen der G20-Staaten und das Fehlverhalten von Teilen der Polizei – das im Nachgang noch untersucht werden muss – im Vordergrund, geht es seit den Krawallnächten nur noch um die Bilder von rauchverhüllten Straßenzügen.

Die Gewalt in Hamburg hat während des Wochenendes ein solches Ausmaß erreicht, dass selbst das Autonome Zentrum „Rote Flora“ sich von den Tätern distanziert hat. Konservative Politiker sprechen bereits von einer neuen Form des Linksterrorismus und die Fehler der Polizei werden teilweise mangelnder Ausrüstung und personeller Ausstattung zugeschrieben. Kurz: Wenige Monate vor der Wahl hat das Thema Innere Sicherheit – ein Kernthema der Union –  wieder eine dominierende Brisanz gewonnen. Gleichzeitig gerät Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zunehmend in die Kritik, während die Bundeskanzlerin mit den versprochenen Entschädigungen für die Opfer der Krawalle Entschlossenheit demonstrieren kann.

SPD-Kanzlerkandidat Schulz bleibt derweil nur die Defensive beim Thema Innere Sicherheit – seit Jahren sowieso ein schweres Thema für die Sozialdemokraten. Schulz bleibt nur die Wahl, sich an die Seite von Scholz zu stellen, da ihm ansonsten innerparteiliche Konflikte drohen. Zu stark ist der Hamburger Bürgermeister, um sich von ihm abwenden zu können. Durch dieses Verhalten droht Schulz aber im Wahlkampf beim Thema Innere Sicherheit ins Hintertreffen zu geraten – auch das ist angesichts der neuen Bedeutung der Thematik keine Option für den Kanzlerkandidaten.

Auf der anderen Seite dürften Schulz‘ martialische Vokabeln wie „Mordbrenner“ für  die Täter von Hamburg sowohl beim linken Parteiflügel als auch beim klassischen Wählerpotenzial der SPD keine Punkte bringen. Merkel auf der anderen Seite kann mit der Forderung nach mehr Sicherheit und konsequenter Verfolgung der Täter in alle Richtungen nur Punkte sammeln.

Egal, wie man es dreht und wendet: Angela Merkel hat mit den G20-Ausschreitungen das erste Geschenk dieses Wahlkampfs erhalten. Betrachtet man sich die derzeitigen Umfragen und insbesondere die schwächelnde SPD, so dürften die Bilder aus Hamburg genügen, um die amtierende Bundeskanzlerin für weitere vier Jahre im Amt zu halten.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.